Das Gebetsapostolat ist eine Vereinigung von Gläubigen mit dem Ziel,
das persönliche Gebet mit dem Gebet und dem Auftrag der ganzen Kirche
mittels der Gebetsanliegen des Heiligen Vaters zu verbinden.
Das Gebetsapostolat ist den Jesuiten anvertraut und in mehr als 70 Ländern
der Welt verbreitet.
Spiritualität spiritus Geist: Was ist der Geist des Gebetsapostolats?
Selbstverständlich das Evangelium, das aber im Licht eines bestimmten
Ereignisses im Leben Jesu gelesen wird: des Augenblicks, in dem ein Soldat
mit der Lanze am Kreuz das Herz Jesu durchbohrt. Dieses Herz ist das Symbol
der Liebe und des Mutes. So ist das ganze Leben Christi, sein Tod und seine
Auferstehung ein Akt der Liebe Gottes, der die Menschen rettet. Das Gebet
ist ein Mittel, das uns persönlich mit Jesus verbindet, sodass wir
seinen missionarischen Eifer, seine Zuwendung zu den Menschen teilen. Das
Gebet ist die erste missionarische Tat auch für diejenigen, die niemals
in die Mission gehen.
Was das Gebetsapostolat heute ist, beschreibt die aktuelle Charta:
Die tägliche Hingabe
Damit unser Gebet und unser Leben mit dem Gebet und der Sendung der ganzen
Kirche vereint seien, regt das Gebetsapostolat an, jeden Tag mit der Hingabe
von uns selbst zu beginnen, unserer Freuden und Leiden, unserer Erfolge
und Misserfolge, zur Erlösung der Welt. Wir tun dies vereint mit Jesus
Christus, inspiriert vom Hl. Geist. Damit begeben wir uns auf den Weg der
Nachfolge Jesu.
Dies kann etwa auf diese trinitarische Weise geschehen:
Gott, unser Vater,
vor Dich bringe ich diesen Tag;
meine Gebete und meine Arbeit,
Leiden und Freuden,
vereint mit Deinem Sohn Jesus Christus,
der nicht aufhört,
sich Dir in der Eucharistie
zur Erlösung der Welt darzubringen.
Der Heilige Geist,
von dem Jesus erfüllt war,
lenke mich und schenke mir die Kraft,
heute Deine Liebe zu bezeugen.
Mit Maria,
der Mutter unseres Herrn und der Kirche,
bete ich besonders in der Meinung
des Heiligen Vaters für diesen Monat,
dass
Eine neue Lebensweise
Die Erfahrung lehrt, dass dieser Akt der Hingabe, zugleich einfach und tief,
unser ganzes Leben verändert. Schwerlich lässt es sich vereinen,
dass jemand Tag für Tag sich und sein Tun, vereint mit Jesus Christus,
zur Erlösung der Welt hingibt, und zugleich in einer Lebenseinstellung
und Gedanken verharrt, die wenig oder gar keinen heilsamen Wert haben. Mit
entsprechendem Ernst vollzogen reinigt die tägliche Hingabe unsere
Herzen, unsere Gedanken und Anschauungen und setzt uns instand, Gott in
allen Dingen zu dienen und zu lieben. Der erste, den das tägliche Gebet
der Hingabe ändert, bin ich selbst.
Unser Leben bekommt Linie
Unser Leben besteht nicht einfach nur aus einem Weg durch die Zeit, aus
einer Probe, die wir bestehen müssen. Eher gleicht es einem Projekt.
Wir haben hier durch unsere guten Werke am Aufbau des Reiches Gottes mitzuwirken.
Die tägliche Hingabe hilft uns entdecken, wie wir Gott in allen Menschen
finden, ihm dienen, ihm begegnen und ihn lieben können, in allen Dingen
und allen Umständen unseres Lebens.
Das Gebetsapostolat ist berufen, seinen Mitgliedern den heiligenden und
apostolischen Wert ihrer täglichen Arbeit bewusst zu machen, verstanden
als Mitarbeit am Werk Gottes, als des Schöpfers und Erlösers.
Es soll ihnen den Wert ihrer Leiden bewusst machen, durch welche sie an
ihrem Leib ergänzen, was an den Leiden Christi noch fehlt (Kol 1,24).
Unser Gebet gewinnt eine universale Dimension
Wir arbeiten mit Christus nicht nur durch unser Tun zusammen. Er selbst
lädt uns ein, sich beim Herrn der Ernte dafür einzusetzen, Arbeiter
in seine Ernte zu senden (Mt 9,37).
Von Anfang an hat das Gebetsapostolat die Gläubigen zum Fürbittgebet
für die Probleme der Gesamtkirche eingeladen, mit dem besonderen Hinweis
auf die Nöte der Missionen. So hat es eine tiefe Gemeinsamkeit des
Gebetes unter Millionen von Gläubigen gestiftet. Nichts Geringeres
wird für die Zukunft erwartet.
Der Hl. Vater schätzt die Kraft dieses Apostolates so hoch ein, dass
er selbst ein allgemeines und ein missionarisches Anliegen für jeden
Monat vorlegt. Das Gebetsapostolat begrüßt sie voll Liebe und
macht sie in der ganzen Welt zum Gegenstand seiner Gebete.
Durch die Kraft des Heiligen Geistes, der in unseren Herzen wohnt
Paul VI. hat in seiner Bestätigung der nachkonziliaren Statuten des
Gebetsapostolats angeregt, größeres Gewicht auf den Hl. Geist
zu legen, der in der Kirche und in den Herzen der Gläubigen wie in
einem Tempel wohnt, in ihnen betet und ihre Annahme als Kinder Gottes bezeugt.
Seit damals ist die Anrufung des Hl. Geistes ein wesentlicher Bestandteil
des täglichen Gebetes der Hingabe von Millionen von Menschen, die darüber
glücklich sind, zu wissen, dass die Verwandlung, die dadurch geschieht,
ein Werk des Hl. Geistes ist.
Mit einem Herzen wie das Herz Jesu
Bilde mein Herz nach deinem Herzen! Dieses einfache Gebet drückt
das tiefe Verlangen aus, das der Herr uns ins Herz gibt: Gott und unsere
Brüder und Schwestern so lieben zu können, wie er sie geliebt
hat.
Damit das wahr wird, müssen wir auf sein Wort hören und sein Tun
betrachten, wie der Hl. Vater anlässlich des Jubiläums 150
Jahre Gebetsapostolat geschrieben hat: Je mehr einer lernt,
sein eigenes Gebet durch Gottes Wort inspirieren zu lassen, umso mehr wird
er durchdrungen von den Einstellungen des Herzens Christi.
Die Verehrung des Herzens Jesu hat kein anderes Ziel, als uns ihm immer
ähnlicher zu machen genau so wie er dem Vater zu vertrauen und
achtsam auf andere zu sein. Diesen Zustand müht sich der Hl. Geist
in uns zu entfalten.
Genährt und gehegt durch Christus in der Eucharistie
Die Einheit mit Christus muss durch das sakramentale Leben genährt
und gestützt werden. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.
Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt reiche Frucht, denn getrennt
von mir könnt ihr nichts tun. (Joh 15,5)
In der Eucharistie gibt sich der auferstandene Christus selbst zur Speise
und zum Trank, um uns mit sich zu vereinen und zu ermöglichen, dass
wir ihn der Welt offenbaren. Johannes
Paul II. fasst dies in Worte an die Direktoren des Gebetsapostolates, wenn
er sagt: Ihr müsst euch bemühen, Christen durch die Eucharistie
zu formen, die ihnen Kraft gibt, sich großzügig auf alle Dimensionen
ihres Lebens einzulassen, im Dienst an ihren Brüdern, so wie der Leib
Christi hingegeben und das Blut Christi vergossen wurde.
Mit ihm versöhnt im Sakrament der Vergebung
Mit dem Hinweis, dass das Heilige Jahr durch zunehmenden Empfang des Sakramentes
der Versöhnung gekennzeichnet war, lädt der Hl. Vater die Kirche
ein, diesem Teil der Seelsorge mehr Beachtung zu schenken. Das Gebetsapostolat
wird dieser Weisung folgen, da dieses Sakrament hilft, Christus als den
einen zu erkennen, in dem Gott uns sein mitfühlendes Herz zeigt und
uns völlig mit sich versöhnt.
Nach dem Beispiel Mariens
Wie sich Maria ganz und gar der Person und dem Werk ihres Sohnes verschrieb,
wollen auch wir uns durch unsere Hingabe Jesus Christus verfügbar machen
für das Kommen seines Reiches.
In Summe: Das Gebetsapostolat
* legt einen Weg der Heiligung vor, der
* durch die tägliche Hingabe
* unser Leben verändert
* und uns zu einer weltweiten Gebetsgemeinschaft eint
* durch die Kraft des Hl. Geistes, der in unseren Herzen wohnt
* und das Verlangen nach den Einstellungen des Herzens Christi weckt,
* damit wir, von ihm in der Eucharistie genährt und gehegt
* und versöhnt mit ihm im Sakrament der Vergebung,
* fähig werden, uns ihm und der Kirche nach dem Beispiel Mariens mit
ganzem Herzen für das Kommen seines Reiches zur Verfügung zu stellen.
Kleine Geschichte des Gebetsapostolats
Die Kirche in Frankreich erlebte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
eine Phase der Begeisterung für die Mission, denn viele Länder
Asiens begannen sich dem Christentum zu öffnen. Die Jesuiten der französischen
Provinz Toulouse hatten eine neue Mission in Südindien übertragen
bekommen. Die Ordensstudenten, die ihr Philosophie- und Theologiestudium
in Vals bei Puy en Velay in der Auvergne (Frankreich) absolvierten, begannen
davon zu träumen, nach Indien geschickt zu werden, und verschlangen
alles, was es über dieses Land zu lesen gab. Darüber begannen
sie ihre Studien zu vernachlässigen, und ihr Spiritual P. Francois
Xavier Gautrelet hielt ihnen einen Vortrag, in dem er sagte: Ihr Auftrag
ist nicht Indien, sondern Ihr Studium. Ihr Auftrag ist es, sich darauf vorzubereiten,
vielleicht geschickt zu werden, und dazu ist das wichtigste, den Willen
Gottes zu tun, nicht Ihren eigenen. Wenn Sie Missionar sein wollen, seien
Sie das heute, in diesem Seminar, dadurch, dass Sie Gottes Willen tun! Lassen
Sie mich Ihnen einen praktischen Vorschlag machen, wie Sie heute schon ein
echter Missionar sein können. Wenn Sie am Morgen aufstehen, opfern
Sie Ihren Tag Gott, fügen Sie zu Ihren Morgengebeten ein neues Gebet
hinzu: Gott, ich schenke Dir diesen Tag, Du hast ihn mir gegeben, ich gebe
ihn Dir zurück. Du hast mir alles gegeben, was ich bin und was ich
habe. Du hast mir meine Seele gegeben, meinen Körper, meine Zeit, meine
Energie, meine Gesundheit, meine Freunde, meine Familie, meinen Glauben
- alles! Und ich möchte Dir das zurückgeben. Du hast es mir aus
Liebe gegeben, und ich will es Dir aus Liebe zurückgeben. Ich möchte
es so nutzen, wie Du willst, dass ich es nutze. Bis zu einem gewissen Grad
ist das Programm auch schon vorhanden: es ist mein Stundenplan, mein Arbeits-
und Studienplan, meine Freizeit. Ich will bei all diesem Tun Deinem Willen
folgen, ich will das Instrument Deines Friedens, Deiner Liebe, Deiner Gerechtigkeit,
Deiner Wahrheit und Deines Lebens sein.
In diesem Sinne entstand am 3. Dezember 1844, dem Fest des hl. Franz Xaver,
in Vals eine Liga des Gebets für die Anliegen des Reiches Gottes und
zur Unterstützung der Missionsarbeit. Das Gebetsapostolat war geboren.
Die Botschaft war einfach: Ihr seid wertvoll für Gott, so wie Ihr seid.
Jeder, sei er noch so arm oder so alt oder so krank, kann sein Leben Gott
anbieten. Die Botschaft an die Menschen lautete auch: Eure Mission ist ebenso
wichtig wie die Mission in allen Ländern der Erde. Es ist eure Mission,
euer Leben zu meistern, eure Kinder aufzuziehen, an eurem Platz eure Aufgaben
zu erledigen. Das ist genauso wichtig und trägt ebenso zum Aufbau des
Reiches Gottes bei.
P. Gautrelet veröffentlichte 1846 seine Grundgedanken in einem Buch
nach seiner Ernennung zum Provinzial übernahm 1856 P. Henri
Ramière das Gebetsapostolat, dessen Organisation und Ausbreitung
zu seinem Lebenswerk wurden. 1861 gründete er die Zeitschrift Sendbote
des hl. Herzens Jesu, die die Verehrung des Herzens Jesu, aber auch
das Bewusstsein für die Bedürfnisse der universellen Kirche förderte.
1866 wurden die ersten Satzungen von Papst Pius IX. bestätigt. Heute
ist das Gebetsapostolat in 1.500 Diözesen eingeführt und zählt
etwa 40 Millionen Mitglieder. Die Leitung, die sich zunächst in Frankreich
befunden hatte, wurde 1925 nach Rom verlegt und mit der Generalskurie verbunden.
Seitdem trägt der Generalobere des Jesuitenordens die Letztverantwortung
für das Gebetsapostolat.
P. Ramière hat auch eine weitere Neuerung eingeführt: die monatlichen
Gebetsanliegen (auch Gebetsmeinungen genannt). Ramière hatte angeregt,
dass der Präfekt der (damaligen) Kongregation für die Verbreitung
des Glaubens monatlich Gebetsanliegen vorschlagen sollte. Das geschah auch,
bis Papst Leo XIII. den Wunsch äußerte, sich selbst darum zu
kümmern. Deshalb gibt es seit 1891 bis heute für jeden Monat zwei
Gebetsanliegen des Heiligen Vaters, von denen eine allgemein gehalten ist
und die andere die Mission zum Thema hat.
